Wechselwirkungen Tamoxifen

Ich wünschte mir eine Übersicht über die Medikamente, die man möglichst NICHT während der Einnahme von Tamoxifen nehmen sollte, finde aber im Internet nur recht widersprüchliche Angaben und habe zudem das Gefühl, dass auch die Ärzte nicht immer über das nötige Wissen verfügen. Bei Johanniskraut  hat mich der Onkologe in der Rehaklinik gerade noch so eben davon abgehalten, es zu nehmen - weder Hausarzt noch Gynäkologe bzw. verordnende Ärztin wussten etwas über vorhandene Wechselwirkungen. Es geht mir in erster Linie zum pflanzliche Medikamente (z. Zt. Mariendistel wg. - wahrscheinlich durch Tamoxifen verursachter (?) - erhöhter Leberwerte, sowie Ginkgo wg. ständiger Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme) aber auch über Phytohormone wg. wechseljahres-/tamoxifenbedingter Beschwerden (Hitzewallungen). Können Sie mir sagen, wo ich dazu halbwegs verlässliche Informationen finden kann?

Vielen Dank!
Experte KID-Krebsinformationsdienst vor 834 Tagen 14 Stunden
Sehr geehrte Forumsnutzerin,

vielen Dank für Ihren Beitrag zum Expertenforum Krebs. Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) beantworten hier krebsbezogene Fragen.
Sie bitten um Informationen, mit welchen pflanzlichen Mitteln Tamoxifen Wechselwirkungen haben kann.

Gerne sind wir Ihnen in Ihrem Anliegen behilflich. Bitte haben Sie jedoch Verständnis dafür, dass wir als Krebsinformationsdienst nur Hintergründe zusammentragen und nicht die ärztliche Beratung ersetzen.

Tamoxifen wird auf komplizierten Stoffwechselwegen in der Leber um- und abgebaut. Durch manche Medikamente oder pflanzliche Stoffe, die in diesen Leberstoffwechsel eingreifen, kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen kommen. Dazu gehören z.B. bestimmte Arzneimittel gegen Depressionen, wie beispielsweise Paroxetin oder Fluoxetin. Auch von Johanniskraut wird von Experten abgeraten.

Bei vielen Substanzen ist es noch unklar, ob die Wirksamkeit von Tamoxifen tatsächlich beeinflusst wird. Vorsichtshalber sollte aber auf die Einnahme von Arzneimitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln verzichtet werden, wenn eine ungünstige Wechselwirkung möglich sein könnte.

Zu Ihren genannten Substanzen:
Es gibt nur sehr wenige konkrete Daten dazu, ob Mariendistel oder Ginkgo die Wirkung von Krebsmedikamenten beeinflussen. Bei beiden Substanzen gibt es aber Hinweise, dass sie in das gleiche Enzymsystem eingreifen, das auch für die Verstoffwechselung von Tamoxifen benötigt wird.
 
Phytohormone: Aktuell wird Patientinnen mit hormonempfindlichem Brustkrebs geraten, keine Phytohormone gezielt einzunehmen, um beispielsweise ihre Wechseljahresbeschwerden zu bekämpfen.

Wir möchten Sie auf den Patientenratgeber der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) aufmerksam machen, der auch auf komplementäre Therapien eingeht: http://www.ago-online.de/de/fuer-patienten/patientenratgeber/

Tipps für den Alltag nach Brustkrebs finden Sie auf unseren Internetseiten unter https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/leben.php
 
Zur Problematik von Nahrungsergänzungsmitteln bei Krebs möchten wir Sie auf eine weitere Seite verweisen: https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/nahrungsergaenzungsmittel.php

Abschließend möchten wir Sie ermutigen, auch mit Ihre Ärzten zu informieren, wenn Sie zusätzliche Präparate einnehmen möchten. Auch frei käufliche Präparate sollten nicht ohne Rücksprache mit Ihren behandelnden Ärzten eingenommen werden. 

Sollten Sie mehr Informationen zu Tamoxifen benötigen oder weitere Fragen haben, so möchten wir Ihnen anbieten, dass Sie sich gerne direkt uns wenden können:
- Telefonisch kostenfrei unter 0800 - 420 30 40 täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr
- per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de  

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Hinweisen weiterhelfen konnten.
Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Silke Schmidt

Krebsinformationsdienst (KID)
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Die Informationen in diesem Text hat der KID auf der Basis Ihres Beitrags für Sie individuell zusammengestellt. Sie sind daher nicht automatisch auf andere Fragestellungen übertragbar. Krebspatienten sollten alle Fragen der Diagnose und Behandlung auf jeden Fall auch mit ihren behandelnden Ärzten besprechen. Weitere Informationen zur Arbeitsweise des KID lesen Sie unter http://www.krebsinformationsdienst.de/wirueberuns.php.
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