Inkompatibilität 5-FU und Cisplatin

Hallo,
meine Fragen sind wahrscheinlich ungewöhnlich, da ich eine ungewöhnliche Situation habe: meine Mama wohnt in Kirgisien, ist an Krebs erkrankt und wird zur Zeit dort behandelt. Vor 2 Monaten wurde bei ihr Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert und am 16.06.2016 wurde sie operiert. Der Tumor konnte ganz entfernt werden, aber die histologische Untersuchung hat gezeigt, dass sie schon Metastasen in naheliegenden Lymphknoten hat. Diesen Montag, am 01.08 wurde bei ihr Chemotherapie gestartet nach dem Schema: 21-Tage Zyklus
d1  Gemcitabin 1000 mg und Cisplatinum 100 mg
d2  5-FU 1000 mg
d3  Gemcitabin 1000 mg.
Die weiteren 3 Zyklen soll die Dosis von 5-FU auf 2000 mg erhöht werden. Insgesamt soll die  Behandlung 4 Zyklen dauern, also 3 Monate. Meine Mama ist 75 Jahre alt, in gutem AZ, 63 kg schwer und 161 cm groß.

Ich habe mich hier in Berlin bei einem Onkologe beraten lassen und mir wurde eine andere Schema empfohlen, mit Gemcitabin-Mono, 1000 mg/m2 T1,8,15 alle 4 Wochen über 6 Zyklen.

Die Fragen:
1) nach meinen Berechnungen, in Kirgisien wird sie im Endeffekt 2 mal weniger Chemotherapeutika bekommen, als sie hier in Deutschland bekommen hätte (nach kirgisische Schema insgesamt 15 400 mg verschiedene Chemotherapeutika über 3 Monaten und nach deutsche Schema 30 060 mg über 6 Monaten). Ist es nicht zu wenig, was sie in Kirgisien bekommen wird?
2) In Beipackzetteln steht, dass Fluorouracil Cisplastin inaktiviert, da die beiden Medikamente inkompatibel sind. Der behandelnde Arzt sagt, dass es zur keine Inaktivierung kommen wird, da die beide Medikamente an verschiedenen Tagen infundiert werden. Stimmt das - werden die beiden Medikamente im Blutbahn nicht reagieren, wenn sie am Tag 1 und 2 verabreicht werden?
3) Auch in Beipackzettel habe ich gelesen, dass Cisplatin mit Aluminium reagiert, es sollen daher keine aluminiumhaltige Hilfsmittel, so wie Sets zur intravenösen Infusion oder Spritzen zur Cisplatin Lösung benutzt werden. Der Arzt in Kirgisien benutzt ganz normalen Spritzen und Infusion-Sets. Enthalten die normalen gewöhnlichen Spritzen, die tagtäglich benutzt werden, Aluminium?
Vielen Dank im Vorhinein für die Antwort. Ich bin gerade ziemlich verunsichert wegen all dieser Sachen.
Mit freundlichen Grüßen,
Zoia
Experte KID-Krebsinformationsdienst vor 835 Tagen 13 Stunden
Sehr geehrte Forumsnutzerin Zoia,

vielen Dank für Ihren Beitrag zum Expertenforum Krebs. Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) beantworten hier krebsbezogene Fragen.

Sie berichten uns von Ihrer 75-jährigen Mama, die in Kirgisien lebt. Vor etwa zwei Monaten wurde bei ihr Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt. Sie wurde erfolgreich operiert, allerdings hat sie bereits Lymphknotenmetastasen. Daher soll sie nun in ihrer Heimat eine adjuvante (= ergänzende) Chemotherapie bekommen, die aus verschiedenen Substanzen (Gemcitabin, 5-FU, Cisplatin) besteht und in insgesamt vier Zyklen über drei Monate hinweg verabreicht wird.
Sie haben sich bei einen deutschen Onkologen beraten lassen, der ein anderes Schema empfohlen hat: Gemcitabin alleine, in sechs Zyklen über insgesamt ein halbes Jahr.
1. Sie sind wegen dieser unterschiedlichen Empfehlungen verunsichert und befürchten, dass Ihre Mutter in Kirgisien nicht ausreichend therapiert wird, beziehungsweise nicht genügend Wirkstoff erhält.
2. Außerdem fragen Sie, ob man 5-FU und Cisplatin an zwei aufeinanderfolgenden Tagen geben darf, ohne dass die Wirkung beeinträchtigt wird.
3. Abschließend möchten Sie wissen, ob in "gewöhnlichen Spritzen" Aluminium enthalten ist, da Cisplatin nur mit Hilfsmitteln OHNE Aluminium verabreicht werden darf.

Wir können gut verstehen, dass Sie Ihre Mutter angesichts der schweren Erkrankung bestmöglich unterstützen möchten und dass die große Entfernung dabei belastend ist. Vielleicht helfen Ihnen die folgenden Informationen, die Situation Ihrer Mutter besser einzuschätzen.

Zu 1. Verschiedene Chemotherapie-Schemas kann man nicht anhand der Gesamtsumme der einzelnen Zytostatika-Mengen vergleichen. Für die Wirksamkeit einer Chemotherapie ist grundsätzlich die Menge jeder einzelnen Substanz, aber auch das Zusammenspiel der verschiedenen Stoffe ausschlaggebend. Denn die eingesetzten Zytostatika wirken auf verschiedene Weise und/oder haben unterschiedliche Ansatzpunkte. Das Ansprechen auf eine Therapie ist weiterhin auch von anderen individuellen Faktoren abhängig.
Das von Ihnen angesprochene Gemcitabin-Mono-Schema ist in Deutschland ein übliches Schema. Es ist allerdings gut möglich, dass in anderen Ländern (auch aufgrund anderer ethnischer Struktur - so werden beispielsweise manche Medikamente von Angehörigen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen unterschiedlich verstoffwechselt) abweichende Behandlungsansätze verfolgt werden bzw. Erfahrungen mit anderen Chemotherapie-Schemas vorliegen.

Zu 2. Cisplatin und 5-Fluorouracil sind in der Tat inkompatibel, wenn sie sich IM SELBEN Infusionssystem befinden, beispielsweise wenn sie gemischt werden würden oder über denselben Schlauch in die Vene gelangen würden. Es ist aber möglich, die beiden Substanzen innerhalb eines Chemotherapie-Schemas anzuwenden, wenn sie zeitversetzt (wie bei Ihrer Mutter an verschiedene Tagen) verabreicht werden. Selbst eine hintereinander geschaltet Gabe ist möglich, wenn ein 3-Wege-Hahn verwendet wird, der zwischen der Gabe der beiden Zytostatika gespült wird.

Zu 3. Wir können aus der Ferne zwar nicht beurteilen, welche Materialien in Kirgisien verwendet werden. Die Unverträglichkeit von Cisplatin mit Aluminium ist jedoch schon seit langem und auch international bekannt ist, so dass man sehr davon ausgehen kann, dass auch in Kirgisien bei solchen Instrumenten medizinischer Stahl verarbeitet ist und kein reaktives Aluminium.

Wir möchten Ihre Mutter an dieser Stelle ermutigen, sich nochmals an die behandelnden Ärzte zu wenden und mit ihnen das weitere Vorgehen in ihrer persönlichen Situation genau zu besprechen. Dabei sollte sie sich nicht scheuen, bei Unklarheiten konkret nachzufragen und um Aufklärung zu bitten und auch ihre persönlichen Wünsche oder Befürchtungen zum Ausdruck bringen.

Allgemeine Hinweise zum Thema „Bauchspeicheldrüsenkrebs: Symptome, Untersuchungen, Behandlung“ lesen Sie auf unseren Internetseiten unter https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/bauchspeicheldruesenkrebs/bauchspeicheldruesenkrebs2.php.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Hinweisen weiterhelfen konnten und wünschen Ihrer Mutter für die weitere Behandlung alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Eva Häberle

Krebsinformationsdienst (KID)
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Die Informationen in diesem Text hat der KID auf der Basis Ihres Beitrags für Sie individuell zusammengestellt. Sie sind daher nicht automatisch auf andere Fragestellungen übertragbar. Krebspatienten sollten alle Fragen der Diagnose und Behandlung auf jeden Fall auch mit ihren behandelnden Ärzten besprechen. Weitere Informationen zur Arbeitsweise des KID lesen Sie unter http://www.krebsinformationsdienst.de/wirueberuns.php.
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